TeleSchwindel

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Verbesserung der Versorgung von Patienten mit akut aufgetretenem Schwindel ist das Ziel des Projekts „TeleSchwindel“.

 

Implementierung und Qualitätssicherung einer standardisierten und telemedizinisch unterstützten Diagnostik und Behandlung von Patienten mit akut aufgetretenem Schwindel in Bayern

 
Schwindel ist das dritthäufigste Symptom in der Medizin und das Wissen um die Diagnostik und Therapie auf diesem Gebiet hat in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen. Schwindel und Schlaganfall überlappen sich in großen Teilen, da bei jedem akut aufgetretenem Schwindel ein Schlaganfall als Ursache in Erwägung gezogen werden muss.

Eine Videobrille für das Telekonsil

Der Schlüssel zur Unterscheidung zwischen einem Schlaganfall und harmlosen Innenohrerkrankungen liegt beim Leitsymptom Schwindel in der Untersuchung diskreter Augenbewegungsstörungen. Um bei Patientinnen und Patienten mit dem Leitsymptom Schwindel im Telekonsil eine höhere diagnostische Sicherheit zu erreichen und insbesondere in der Notaufnahme weniger Schlaganfälle zu übersehen, wurde in den letzten Jahren die Anbindung einer speziellen Videobrille an den Teledoc technisch realisiert. Die Brille enthält eine Videokamera, mit welcher der Telekonsilarzt die Bewegungen des rechten Auges auch aus über 100 km Entfernung per Videokonsil sicher beurteilen und selbst geringe Bewegungsstörungen erkennen kann.

Am Projekt sind inzwischen folgende TEMPiS-Koope¬rationskliniken angeschlossen: Kreisklinik Ebersberg, Klinikum Freising, RoMed Klinikum Rosenheim, Krankenhaus Agatharied, Kreisklinik Bad Reichenhall, Asklepios Stadtklinik Bad Tölz, Asklepios Klinik Burglengenfeld, Klinikum Landkreis Erding, kbo-Inn-Salzach-Klinikum Wasserburg a. Inn, Krankenhaus Cham, Donauisar Klinikum Dingolfing, Krankenhaus Grafenau, Klinikum Traunstein, Krankenhaus Eggenfelden, Goldberg-Klinik Kelheim, Krankenhaus Rotthalmünster, Krankenhaus Vilsbiburg, Arberlandklinik Zwiesel.

TeleSchwindel-Konzept

Zusammengefasst besteht das telemedizinische Konzept aus drei Bausteinen:

1. Notaufnahmetriage: Ziel ist die schnelle und zuverlässige Triage zwischen Stroke Unit und Normalstation.

2. Elektivuntersuchung: Am nächsten Werktag wird vom Konsilneurologen vor Ort unter Beachtung der etablierten Diagnosestandards und gegebenenfalls Einbeziehung des Schwindelspezialisten im Zentrum eine Schwindeldiagnose gestellt.

3. Therapie: Geschulte Physio- und Ergotherapeuten können vor Ort auf Grundlage der etablierten Therapiestandards adäquate Befreiungsmanöver beim gutartigen Lagerungsschwindel und bei Bedarf ein Gleichgewichtstraining durchführen.

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Abbildung A: In der Kooperationsklinik wird der Patientin die Videobrille aufgesetzt. Unter Anleitung des Telekonsilarztes führt der Arzt vor Ort die Untersuchungen durch. Abbildung B: Der Telekonsilarzt sieht auf dem linken Monitor das übliche Videokonferenzbild, zusätzlich wird auf dem rechten Monitor das rechte Auge der Patientin vergrößert dargestellt. Hierdurch ist die Beurteilung auch diskreter Augenbewegungsstörungen per Telemedizin möglich.


Im Rahmen des Projekts wurde eine klare Triage im Bereich der Notaufnahme für Patienten mit dem Leitsymptom Schwindel entwickelt:

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Das Konzept beinhaltet einen umfassenden Schulungsbedarf. An 13 Schulungsterminen wurden bisher 149 Teilnehmerinnen und Teilnehmer interdisziplinär weitergebildet. Das Schulungsmaterial bestand u.a. aus den TeleSchwindel-SOP mit Standards für die Akut- und Elektivdiagnostik, Standards für Therapeuten sowie Diagnose- und Behandlungsstandards für den gutartigen Lagerungsschwindel, die Neuritis vestibularis und den Schwindel zentraler Genese.

Zudem wurde Informationsmaterial für Patienten zum Lagerungsschwindel und Übungsblätter für das therapeutische Gleichgewichtstraining (vestibuläre Rehabilitation) entwickelt. Sämtliche Dokumente stehen zum Download auf www.tempis.de zur Verfügung.

Um den teilnehmenden Kliniken die Möglichkeit zu geben, schwierige Schwindelfälle inklusive der video-okulographischen Befunde vorzustellen und zu diskutieren, wurde zusätzlich in Zusammenarbeit mit dem Schwindelzentrum Altötting der Qualitätszirkel TeleSchwindel etabliert. Nachdem das Projekt zwischenzeitlich so weit vorangeschritten ist, steht nun als nächster Schritt die notwendige Evaluation an.

Literatur:
Müller-Barna et al. (2019) TeleVertigo: Diagnosing Stroke in Acute Dizziness: A Telemedicine-Supported Approach. Stroke; 50(11):3293-3298.


TEMPiS TeleSchwindel

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Schwindelzentren

  • München Klinik Harlaching
  • Kreisklinik Altötting

Schlaganfallzentren

  • München Klinik Harlaching
  • Universitätsneurologie Regensburg

TEMPiS-Kliniken

  1. Agatharied
  2. Bad Reichenhall
  3. Bad Tölz
  4. Burglengenfeld
  5. Cham
  6. Dingolfing
  7. Ebersberg
  8. Eggenfelden
  9. Erding
  10. Freising
  11. Grafenau
  12. Kelheim
  13. Mühldorf
  14. Rosenheim
  15. Rotthalmünster
  16. Traunstein
  17. Vilsbiburg
  18. Wasserburg am Inn
  19. Zwiesel