TEMPiS Flying Interventionalists – Eine neue Versorgungsstruktur für Süd-Ost-Bayern

Die flächendeckende Implementierung der mechanischen Thrombektomie ist aktuell eine der großen Herausforderungen in der Schlaganfallversorgung. Geeignete Patienten in den TEMPiS-Kliniken müssen heute meist in einer zeitraubenden Prozedur in ein Interventionszentrum verlegt werden. Um den Beginn der Behandlung zu beschleunigen, soll zukünftig ein spezialisierter interventioneller Neuroradiologe unverzüglich mittels Helikopter in die TEMPiS-Klinik geflogen werden. Der Eingriff wird innerhalb kürzester Zeit in der Angiographieanlage vor Ort durchgeführt. Auf diese Weise kann die Zeitspanne bis zur Behandlung um bis zu 100 Minuten verkürzt werden. Schon ab dem nächsten Jahr wird ein großer Teil der Thrombektomiekandidaten im TEMPiS-Netzwerk von der neuen Versorgungsstruktur profitieren können. Das Projekt wird zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren von den Bayerischen Krankenkassen finanziert.

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Dr. Gordian Hubert (re.) und Dr. Frank Kraus leiten das Flying-Interventionalists-Projekt

Der Start der Pilotphase ist für Anfang 2018 vorgesehen, wobei die Einbindung der TEMPiS-Kliniken in das Projekt schrittweise erfolgen wird. Die Flugbereitschaft wird zunächst an 26 Wochen im Jahr, 7 Tage die Woche, jeweils in der Zeit zwischen 08:00 Uhr und 22:00 Uhr zur Verfügung stehen. Für die Durchführung der Flüge stehen dem TEMPiS-Netzwerk mit der ADAC Luftrettung gGmbH und der HTM Helicopter Travel Munich GmbH zwei äußerst erfahrene und zuverlässige Partner zur Verfügung. Mit dem Helikopter vom Typ EC 135 kommt dabei einer der modernsten und leistungsfähigsten Hubschrauber seiner Klasse zum Einsatz. Durch die Stationierung der Helikopter im Klinikum Harlaching und in Taufkirchen wird eine schnellstmögliche Abflugbereitschaft garantiert.

Der ADAC bildet seit der Inbetriebnahme des legendären „Christoph 1“ im Jahr 1970 in Harlaching eine der wichtigsten Säulen des deutschen Luftrettungswesens. Die 1997 gegründete HTM GmbH gehört mit 23 Helikoptern an sechs Standorten zu den größten privaten Hubschrauberunternehmen im deutschsprachigen Raum.
Die Eingriffe selbst werden von erfahrenen Interventionalisten aus dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin im Klinikum Harlaching und der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie des Klinikums rechts der Isar durchgeführt. In der Zeit zwischen 22:00 Uhr und 08:00 Uhr sowie in den Wochen, in denen keine Flugbereitschaft vorgesehen ist, werden die Thrombektomiekandidaten nach dem bisherigen Versorgungsmodell in das nächstgelegene Interventionszentrum verlegt.
Begleitet wird das Projekt von einem umfassenden Schulungs- und Fortbildungsprogramm. Zahlreiche Prozess- und Qualitätsparameter werden während des Projekts erfasst und analysiert. Zusätzlich erfolgt eine telefonische Nachbefragung der Patienten nach drei Monaten. So kann gezeigt werden, ob die Patienten langfristig von der neuen Versorgungstruktur profitieren. Das Projekt wurde von der Ethik-Kommission der Bayerischen Landesärztekammer genehmigt.